Allgemeine Fragen
Wer bist du und was machst du beruflich?
Ich bin Simona. Ich habe Geschichte studiert und danach promoviert. Heute arbeite ich im Gosteli-Archiv als Co-Direktorin. Im Gosteli-Archiv sammeln wir Unterlagen zur Frauengeschichte.
Wie sieht deine Lebenssituation aus?
Ich wohne zusammen mit meinen beiden Kindern (17 und 12 Jahre alt) und mit meinem Freund. Er ist letzten Dezember mit uns zusammengezogen. Der Vater meiner Kinder wohnt auch in Bern und sie sind abwechslungsweise eine Woche bei ihm und eine bei uns.
Beruflicher Werdegang und Ausbildung
· Bist du in deinem ursprünglich erlernten Beruf tätig oder machst du inzwischen etwas anderes?
Viele Historikerinnen arbeiten im Archiv, es ist daher ein üblicher Werdegang. Bei mir war es allerdings nicht geplant. Nach der Doktorarbeit habe ich beim Schweizerischen Nationalfonds als Gleichstellungsbeauftragte gearbeitet, da ging es darum, dass es mehr Frauen in der Forschung braucht und wie wir das erreichen können. Als die Leitungsstelle im Gosteli-Archiv ausgeschrieben war, wollte ich mich unbedingt bewerben, weil es im Gosteli-Archiv um Frauenbewegung und Frauengeschichte geht. Das waren schon immer die Themen, die mich am meisten interessiert haben.
· Wie ist es zu deiner Berufswahl gekommen?
· Würdest du dich noch einmal für diesen Beruf entscheiden?
Unbedingt! Ich finde sowohl das Studium wie auch meine jetzige Tätigkeit sehr spannend und befriedigend.
· Haben die Gedanken zur Familienplanung in deiner Berufswahl beeinflusst?
Bei der Studienwahl sicherlich nicht. Ich habe mein erstes Kind während des Studiums und das zweite während der Diss. Bekommen. Vielleicht hätte ich mir ohne Kinder überlegt, an der Uni zu bleiben und Forscherin zu werden. Aber mit Familie war mir meine ökonomische Sicherheit zu wichtig, ich wollte eine unbefristete Stelle und nicht die Unsicherheit der akademischen Welt. Und ich wollte auch nicht mit der ganzen Familie ins Ausland gehen, was bei einer Laufbahn als Forscherin Pflicht gewesen wäre.
· Haben finanzielle Überlegungen deine Berufswahl beeinflusst? Wie stehst du heute dazu?
Nein, eigentlich nicht. Aber ich habe ja studiert und jetzt einen guten Lohn. Vielleicht hätte ich mir mehr überlegt, wenn ich mich für einen eher schlecht bezahlten Beruf interessiert hätte[MS4] .
Haus- / Familien- / Carearbeit
· Hast oder hattest du familiäre oder andere Betreuungspflichten?
Ja, wie gesagt: ich habe zwei Teenager zu Hause. Ich bin mit 26 Jahren Mutter geworden, das hat mich sehr geprägt. Und ich habe wohl auch meine Forschungsthemen entsprechend gewählt (Geschichte der Hausarbeit).
· Wie gross ist dein Anteil an dieser Verantwortung?
Inzwischen lebe ich getrennt vom Vater meiner Kinder. Diese sind abwechslungsweise bei mir und bei ihrem Vater. Das ganze Management mache aber ich (Termine, Hausaufgaben, Planung, etc…). Das war bei uns tendenziell auch vor der Trennung so: auf dem Papier 50%/50%, aber die Verantwortung lag und liegt bei mir. Daher ist auch meine Belastung deutlich grösser. Und ich trage den grössten Teil der Kosten, weil ich mehr verdiene.
· Bedeuten deine familiären Verpflichtungen Einschränkungen für deine Arbeit?
Manchmal empfand und empfinde ich aber die Kinder und die Arbeit im Haushalt als schönen Ausgleich. Und während der Diss und dem Studium gaben sie mir eine klare Struktur. Ich war dadurch in der Zeit, die mir zur Verfügung stand sehr effizient.
Ich war auf jeden Fall lange weniger flexibel, hatte weniger Zeit als andere in meinem Alter und habe dadurch länger gebraucht für Studium und Diss. Jetzt sind die Kinder grösser und ich habe wieder mehr Freiraum. Aber ich finde es immer noch gut, dass ich 80% arbeite und mich an einem Tag in der Woche um alle Familiendinge kümmern kann.
· Inwieweit haben Überlegungen zu Carearbeit deine beruflichen Entscheidungen beeinflusst?
Meine Forschungsthemen und Arbeitsinteressen sind stark von meiner Erfahrung als Mutter geprägt.[MS5]
Hobbies und Freiwilligenarbeit
· Welchen Stellenwert haben Freiwilligenarbeit oder Hobbies in deinem Leben?
Vor Kurzem habe ichwieder mit Hobbies begonnen und gehe in einen Chor und ins Yoga. Lange Zeit war das nicht möglich. Aber ich habe mich immer[MS6] neben Erwerbstätigkeit und Betreuungspflichten immer feministisch engagiert. Sowohl bei der EKdM (Eidgenössische Kommission dini Mueter), wie auch beim Büro für Feminismus geht es thematisch um Mutterschaft und Carearbeit.
· Was ist die Motivation zu deinem Engagement? (Z.B. persönliche Erfüllung, Ausbau des beruflichen und privaten Netzwerkes, Ausgleich zum Alltag)
Meine Erfahrung als Mutter politisieren und Freundinnenschaften. Das politische Engagement ist sehr stark verbunden mit Freundinnenschaft.[MS7] [MS8]
· Welche Herausforderungen gibt es bei der Vereinbarkeit deiner Freiwilligenarbeit und deiner beruflichen Arbeit?
Oft nehme ich mir zu viel vor und bin dann überlastet. Gleichzeitig ist mein politisches Engagement stark verbunden mit meinen Erfahrungen als Mutter Freundinnenschaft. ….[MS9] Und auch meine Forschungsthemen und Arbeitsinteressen sind stark von diesen Erfahrungen geprägt. So gesehen schliesst sich hier der Kreis und ich kann auch im Berufsleben von meiner Freiwilligenarbeit profitieren und umgekehrt.[MS10]
Karriere
· Welchen Stellenwert hat deine Arbeit in deinem Leben?
Meine Arbeit macht mir grossen Spass und ich bin der Meinung, dass wir beim Gosteli Archiv eine sehr wichtige Arbeit leisten. Daher hat sie einen recht hohen Stellenwert und macht mich sehr zufrieden. Ich kann mir auch gar nicht vorstellen, was ich nach dem Gosteli beruflich sonst noch machen könnte.
· Hast deine Karriere systematisch geplant?
Überhaupt nicht. Ich habe einfach immer meine Interessen und Leidenschaften verfolgt, auch beruflich und das hat sich irgendwie gelohnt. War wohl auch eine grosse Portion Glück dabei.
[MS11] · Bist du Risiken eingegangen, um deine Ziele zu erreichen?
Die Diss habe ich als Risiko empfunden. Ich dachte damals, dass meine beruflichen Chancen nach dem Doktorat schlechter sein würden, weil ich dann zu alt bin und zu wenig richtige Berufserfahrung habe[MS12] . Aber es hat sich herausgestellt, dass der Abschluss dann doch ganz nützlich war.[MS13]
· Musstest du kämpfen, um deine beruflichen Ziele zu erreichen, oder ist dir alles zugefallen?
Ich war beruflich schon immer sehr motiviert und engagiert, weil ich auch immer machen durfte, was mich wirklich interessiert. Aber ganz viel Glück war bestimmt auch dabei, dass die richtigen Stellen in den richtigen Momenten ausgeschrieben waren.
[MS1]Hier wären noch ein paar Fakten zum Beruf der Historikerin und zum Studium gut. Da ist aber der Fragebogen zu wenig ausgefeilt, merke ich grade.
– Voraussetzungen (ist zwar nicht unbedingt nötig)
– welche Möglichkeiten hat man in dem Beruf. Ich glaube, dieses Studium lässt extrem viel offen und macht deshalb vieles möglich, aber es braucht schon auch eine grosse Portion Eigeninitiative.
– und dann wäre es interessant zu wissen, was du im Gosteli-Archiv so treibst. Neben dem Sammeln von Dokumenten. Ihr macht ja glaube auch viel Öffentlichkeitsarbeit, Führungen etc. und Geschäftsführungsaufgaben gehören ja auch zum Leben einer Direktorin.
[MS2]Das ist etwas sehr kurz, weil eine wichtige Frage. Vielleicht kannst du ja noch etwas dazu sagen, was du dir von deiner Studienwahl erhofft oder versprochen hast, ob eine Vision dahinter gesteckt hat oder nicht. Vielleicht war es auch reine Neugierde, ohne genauen Plan oder Berufswunsch. Oder wusstest du damals schon etwas über das Berufsbild der Historikerin?
[MS3]Nehme ich runter zur Familienarbeit, da passt das besser hin.
[MS4]Ist Phil I krisensicher? Ich habe so im Hinterkopf, dass alle geisteswisschaftlichen Studienrichtungen eher als „nett“ gelten für Leute, die es sich leisten können, insofern habe ich es immer eher als risikobehaftete Studienwahl angesehen. Oder ist das nur bei Literatur so? Ich weiss natürlich überhaupt nicht, ob das stimmt, würde es aber spannend finden, wenn du dazu noch einen ergänzenden Satz schreiben könntest.
[MS5]Das ist zwar eine gute Antwort, aber irgendwie ist sie hier an der falschen Stelle. Oder vielleicht auch einfach nur etwas zu kurz. Eigentlich ist damit gemeint, ob du dich aktiv gegen oder für etwas entschieden hast, um Carearbeit leisten zu können. Also das weiter oben, dass du vielleicht in die Forschung gegangen wärst ohne Familie.Was irgendwie Quatsch ist, weil die Antwort oben völlig passend ist…. Ist eine Redundanz im Fragebogen, aber ich verquante die Antwort in dem Fall weiter unten.
[MS6]Immer oder schon länger? (Das immer habe ich reingerasselt, vielleicht ist das auch total falsch)
[MS7]Da fehlt irgendwie der Zusammenhang mit der beruflichen Laufbahn. Die wäre wohl auch anders verlaufen, wenn du dir nicht dieses Netzwerk geschaffen hättest. Ich bin ja immer noch der Meinung, dass deine Laufbahn aussergeewöhnlich ist. Ich meine, Studium, Gleichstellungsbeaurtragte und danach Gosteli-Chefin – wo gibts denn sowas.
[MS8]Würde ich dann löschen und das unten lassen. Sonst haben wir so ganz, ganz kurze Antworten, die nicht so ein gutes Gesamtbild abgeben.
[MS9]Hau hier einen raus über Netzwerken und Freundinnen werden und so, bitteeeeee!
[MS10]Achtung, der Satz ist von mir, nicht von dir. Aber ich würde ihn dir schenken. 😉
[MS11]Ich nehme das hoch zu zwei Fragen weiter oben und lasse die Karriereziele weg.
[MS12]Zu alt, um im Berufsleben einzusteigen, oder was war da genau das Problem. Von welchem Alter reden wir da? Mitte 30? Und warst du nicht längst berufstätig und in einer Leitungsfunktion, als du deine Diss geschrieben hast?
[MS13]Inwiefern? Monetär? Beim SNF verhilft eine Diss wahrscheinlich zu einer Lohnerhöhung?